Dexter – Eine parasoziale Beziehung zu einem Serienkiller?
Diese Arbeit befasst sich mit den Grundzügen von parasozialen Interaktionen (PSI) und parasozialen Beziehungen (PSB), die seit ihrer Einführung vor 60 Jahren einen hohen Stellenwert innerhalb der Rezeptionsforschung genießen. Darüber hinaus werden die Gründe und Einflüsse parasozialer Effekte und Prozesse anhand der US-amerikanischen Serie DEXTER genauer betrachtet und der Frage nachgegangen, ob es möglich ist, eine parasoziale Beziehung zu einem Serienkiller aufzubauen.
- Parasoziale Interaktion und parasoziale Beziehung
- Dexter
- PSI- und Wahrnehmungsprozesse bei DEXTER
- Perzeptiv-Kognitive PSI Prozesse
- Affektive PSI-Prozesse
- Konative PSI-Prozesse
- Fazit
- Literaturverzeichnis
Parasoziale Interaktion und parasoziale Beziehung
Will man sich dieser Fragestellung nähern, gilt es zunächst zu klären, was man unter PSI und PSB versteht. Festzuhalten ist, dass beide „dominante Konzepte in der kommunikationswissenschaftlichen Rezeptionsforschung“ darstellen und in nahezu allen Medien vorkommen können. Geprägt wurden sie insbesondere durch Donald Horton und R. Richard Wohl, die dem Medium Fernsehen in diesem Zusammenhang eine gesonderte Position innerhalb der Massenmedien attestierten, „da es als audiovisuelles Medium die Illusion einer face-to-face-Situation zwischen Zuschauer/inne/n und Darstellern bzw. Akteuren“ ermögliche. PSI und PSB sind die Prozesse, die während einer solchen face-to-face-Interaktion stattfinden können. Sie bilden eine Interaktionsform, die der face-to-face-Situation ähnelt, jedoch einige soziale Elemente nicht beinhaltet.
Die Differenz zwischen PSI und PSB besteht in ihrer Intensität und ist rezeptionsgebunden. PSB kann dabei als Folge der PSI gesehen werden, die „zu stabileren Beziehungsgefügen, […], führen kann“. Diese äußern sich dadurch, dass eine Kette von Interaktionen in Kraft tritt, die das Verhältnis zwischen Medienfigur und Rezipient prägt. Weiterhin besteht eine Interaktion zwischen Rezipient und der Medienfigur immer nur scheinbar, da letztere nicht die Möglichkeit hat, auf Handlungen des Zuschauers zu reagieren.
Dennoch scheint es, als würden Interaktionen mit Medienfiguren ähnliche Prozesse auslösen, wie mit realen Personen. Gründe für dieses Phänomen sehen Kommunikationswissenschaftler insbesondere darin, dass auf der Wahrnehmungsebene des Rezipienten „minimale Faktoren ausreichen, um die Illusion einer sozialen Entität“, einer so genannten Persona, herzustellen, weshalb die Zuschauer auch auf „deutlich von der Wirklichkeit abweichende Abbildungen sozial reagieren“. Hervorzuheben ist dabei, dass sich der Rezipient im Zuge einer PSI der Medialität der Persona bewusst ist. Andernfalls sprechen Horton und Wohl von einer pathologischen Interaktion. Dies trifft jedoch nicht zu, falls der Rezipient in Einzelsituationen kurzzeitig die Medialität der Persona vergisst.
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Als entscheidende Voraussetzung für jede Interaktion, und somit auch für PSI, gilt die individuelle Personenwahrnehmung des Rezipienten. Während dieses Prozesses selektiert der Zuschauer automatisch und unbewusst „aus einer Vielzahl an Sinneseindrücken und fügt bestimmte Informationen zu einem ersten kohärenten Bild, zu einer sozialen Entität, zusammen“. Grund dafür ist, dass der Zuschauer dabei auf sein bisheriges Verhaltens- und Reaktionsrepertoire in interpersonalen Situationen zurückgreift und es auf ähnliche Situationen, wie zum Beispiel den Fernsehkonsum, anwendet. Dabei hängt die Wahrnehmung sowohl vom Rezipienten, als auch vom Medienangebot ab. So können beispielsweise Erwartungen und Bedürfnisse des Rezipienten und besondere Reize des Medienangebots die Selektierung beeinflussen.
Wird eine Medienpersona innerhalb des Angebots vom Zuschauer als solche wahrgenommen und identifiziert, so folgt PSI unweigerlich. Der Rezipient kann sich der PSI, auf Grund der unbewussten und automatisierten Prozesse, nicht entziehen, vorausgesetzt der Rezipient empfindet die Persona nicht als bedeutungslos. Allerdings kann der Zuschauer jederzeit aus der Interaktion aussteigen, was bei einer zwischenmenschlichen Interaktion weniger einfach zu vollziehen ist. Durch diesen Mangel an Abhängigkeit zwischen Rezipient und Medienpersona entstehen neue Freiräume für Handlungen innerhalb der PSI, wie zum Beispiel Beschimpfungen, “die in wirklichen sozialen Situationen als unangemessen gelten würden. […] Regeln und Zwänge des zwischenmenschlichen Umgangs werden für die Zeit der Rezeption unbedeutend.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der PSI ist, dass sie sozial weniger aktiven Menschen, die wegen privater Umstände aus dem wirklichen Leben flüchten möchten, dennoch die Möglichkeit bietet, sozial zu interagieren. Hinzu kommt, dass Menschen auf Grund ihres tristen Alltags und oft unzufriedenen Lebens das Bedürfnis haben, über Medien zumindest für eine bestimmte Zeit aus der Realität auszusteigen, um sich reizvollen, interessanten und schönen Welten phantasievoll hinzugeben. Das Medium oder die PSI stellt also ebenso eine Flucht- oder Ausweichmöglichkeit dar.
Neben der Funktion als ein der PSI vorausgehendes Phänomen, kann die Personenwahrnehmung den Rezipienten auch im Zeitraum des Aufbaus oder während der PSI beeinflussen. Dabei können mehrere PSI-Teilprozesse in Kraft treten, die es im Folgenden an Hand der Fernsehserie DEXTER zu erläutern gilt.
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Dexter
Die Geschichte der Serie DEXTER befasst sich mit dem gleichnamigen Hauptprotagonisten Dexter Morgan (Dexter) [Anm. des Autors: Dexter Morgan (Dexter Moser) wurde als vierjähriges Kind von Harry Morgan, Polizist des Miami Metro-Police Departements, an einem Tatort gefunden und einige Jahre später adoptiert. Bedingt durch das Trauma, das Dexter während dieses Vorfalls erlitten hat, spürt er das Verlangen Lebewesen - erst Tiere, dann auch Menschen - zu töten. Im Laufe der Serie erfährt der Zuschauer mehr über Dexters Vergangenheit, wodurch sich neue Geschichts- und Beziehungskonstellationen ergeben.], der neben seiner Tätigkeit als Blutanalyst des Miami Metro-Police Departement ein Serienkiller ist. Bei seinen Morden agiert er nach einem Code, der ihm von seinem Vater Harry Morgan gelehrt wurde. Dieser Code soll sicherstellen, dass Dexter nur Personen umbringt, die zum Abschaum der Gesellschaft gehören und den Tod verdient haben.
Um sein wahres Ich seinen Mitmenschen gegenüber zu verbergen, hat sich Dexter im Laufe der Jahre eine Illusion seiner Selbst geformt und schafft es, als durchschnittliches Mitglied der Gesellschaft durch das Leben zu gehen, ohne dass diese seine dunkle Seite wahrnimmt. Er verschafft sich mit Hilfe dieser Illusion soziale Beziehungen, beispielsweise mit seiner Freundin Rita Bennett [Anm. des Autors: Rita Bennett ist Dexters Freundin. Sie ist, auf ihre Weise, ebenso geschädigt, wie Dexter, weshalb er in ihr die perfekte Partnerin sieht. Sie wurde von ihrem Mann, der im Gefängnis eine Haftstrafe absitzt, mehrfach vergewaltigt und missbraucht. Aus der Ehe mit ihrem Mann gingen zwei Kinder hervor, Astor und Cody. Für sie wird Dexter eine Art Ersatzvater.
Die Familie gewinnt von Staffel zu Staffel immer mehr Bedeutung in Dexters Leben und zeigt ihm neue soziale Verhaltensweisen an sich auf, die er bis dahin nicht kannte.] oder seiner Adoptivschwester Debra Morgan [Anm. des Autors: Debra Morgan ist Dexters Adoptivschwester und, laut Dexter, die einzige Person, für die er Gefühle haben würde, wenn er welche hätte. Sie ist ebenso wie ihr Vater Polizist des Miami Metro-Police Departements. Durch die Mithilfe ihres Adoptivbruders, der ihr mit Rat und Tat zur Seite steht, und ihrem hohen Engagement schafft sie es, Mitglied der Mordkommission zu werden, wodurch sie in der zweiten Staffel maßgeblich an der Fahndung des Bay Harbor Butchers, Dexter, beteiligt ist.] Der Zuschauer ist, bis auf wenige Ausnahmen, die einzige Person, die Dexter so sieht, wie er wirklich ist. Im Zuge der Geschichte kommt es immer wieder zu neuen sozialen Beziehungsgeflechten oder Handlungen, die Dexter herausfordern und mit denen er umgehen muss.
PSI- und Wahrnehmungsprozesse bei DEXTER
Wie bereits herausgestellt wurde, ist für das Entstehen einer PSI die Wahrnehmungsebene des Rezipienten von großer Bedeutung. Zusätzlich kann auch die PSI Auswirkungen auf die Wahrnehmung haben. Der Rezipient kann durch frühere PSI Informationen zur Persona haben, die den Wahrnehmungsprozess erleichtern oder verkürzen.
Werden Medienfiguren als soziale Entitäten identifiziert, werden automatisch und unbewusst Verhaltensschemata aktiviert, um ein möglichst schnelles Bild, eine first impression, der Persona zu erhalten. Dabei wird vermutet, dass dieser Prozess innerhalb weniger Millisekunden stattfindet. Der Rezipient ordnet die Persona Kategorien zu, die sie an Hand von visuellen Merkmalen, wie physische Elemente, beispielsweise Kleidung oder das Aussehen, auswählt. Treten mehrere Personae auf, so können sie in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen werden.
Perzeptiv-Kognitive PSI Prozesse
Allgemein lässt sich sagen, dass perzeptiv-kognitive Prozesse davon abhängig sind, welchen Stellenwert der Zuschauer der Persona gibt und wie groß der Versuch ist, das Verhalten, die Ziele, Gedanken oder Wünsche der Persona zu verstehen.
Folgt eine Bewertung dieses Handelns, so steigt die Wahrscheinlichkeit für eine intensivere PSI. Eine Beurteilung seitens des Zuschauers während der Rezeption von DEXTER ist kaum zu umgehen. Denn eine der zentralen Fragen, die sich der Zuschauer immer wieder stellen muss, ist: „Sind Dexters Handlungen gerechtfertigt? Sind sie richtig oder falsch? Kann ich sie akzeptieren oder tolerieren?“. Durch diese intensive Auseinandersetzung, auch nach der Rezeption, wird die PSI Intensität maßgeblich beeinflusst. Unterstützt wird das Ganze durch das Bewusstsein um die Medialität der Persona, welche dem Zuschauer Freiräume in seiner Bewertung gibt, da er, im Gegenteil zu einer personalen Interaktion, mit keinerlei Konsequenzen rechnen muss. Parallel zu dieser Beurteilung finden bei DEXTER meist auch auf die Persona bezogene antizipierende Beobachtungen statt, die die PSI ebenfalls stark beeinflussen. Solche können sich darin äußern, dass sich der Zuschauer die Frage stellt, wie er selber in der Situation handeln würde, wie die Persona handeln könnte oder wie sie handeln wird. Herangezogen werden können dabei etwa Eigenschaften, Handlungen oder Fähigkeiten des Rezipienten. Somit entsteht ein Bezug zwischen Medienperson und Zuschauer in Form von sozialen Vergleichen.
Einen großen Teil zu diesen Prozessen trägt der bei TV-Serien oft verwendete Cliffhanger bei, der einen bewussten Abbruch der Narration erzeugt.[Anm. des Autors: Ein Cliffhanger ist eine vom Produzenten oder Regisseur bewusst herbeigeführte Unterbrechung der Narration. Dies hat zur Folge, dass das Interesse beim Zuschauer geweckt wird, da er wissen möchte, wie es mit den Personae weitergeht und welche Handlungen folgen werden.] So entsteht beispielsweise nach der DEXTER-Folge THE GETAWAY die Frage, ob Dexters Sohn das gleiche Trauma erleidet wie sein Vater und ob Dexter in der nächsten Staffel als alleinerziehender Vater agieren muss, und wenn ja, wie er sich anstellen wird. Medienwissenschaftler vermuten in diesem Zusammenhang, dass das Interesse und die Motivation eine PSI mit der Persona erneut einzugehen, steigt, „je intensiver der euphorische Stress nach dem Filmende“, respektive Serie, „ausfällt.“
Einige Wissenschaftler sehen insbesondere in der Attraktivität der Medienfigur die Schlüsselrolle für die erste Einschätzung einer Medienfigur. Die Persona wird dabei als attraktiv oder unattraktiv kategorisiert, wobei die Einschätzung individuell ausfallen kann. Dies kann auf mehreren Ebenen geschehen. Im Falle von Dexter Morgan findet jene Kategorisierung ebenfalls statt. In der Pilotfolge ‘Dexter’ erblickt der Zuschauer den attraktiven Dexter das erste Mal, während er in seinem Auto durch die Straßen von Miami fährt. Im Folgenden entpuppt sich Dexter als Killer, dessen nächstes Opfer Mike Donavan sein soll. In diesem Fall wird der Zuschauer ihn eher als unattraktiv einstufen. Aber auch dies kann sich verstärkend auf die PSI auswirken, da sich die Unattraktivität beispielsweise auf die Angst, Spannung oder den Ekel auswirken kann. Dies führt wiederum dazu, dass sich der Rezipient intensiver mit der Persona beschäftigt und die PSI sich verändern kann.
Ebenso wirkt sich die Fiktionalität der Persona auf den Wahrnehmungsprozess aus. Diese ergibt sich „aus dem Zusammenspiel ihrer Artifizität (Künstlichkeit) und ihres Anthropomorphismus (Grad an Menschlichkeit).“ Eine Persona, die artifiziell ist und zugleich nur wenige Anzeichen von Anthropomorphismus zeigt, wirkt sehr fiktional. Besonders in Hinblick auf die Entwicklung von Dexter hat der Grad der Fiktionalität einen Einfluss auf eine mögliche PSI. Denn handelt Dexter zu Beginn der Serie als eine sehr unmenschliche und gefühlslose Persona, so entdeckt er in Intervallen immer mehr Menschliches an sich, was die Entstehung einer PSI verstärkt oder unterstützt.
Einen großen Einfluss auf die PSI haben die Aufdringlichkeit (Obstruvisität) und die Dauer des Auftretens (Persistenz) der Medienfigur. Obstruvisität bezieht sich dabei besonders auf das räumlich visuelle Auftreten der Person, was zum Beispiel bei Close-Up Kameraperspektiven der Fall ist. Bei DEXTER steht eindeutig Dexter im Mittelpunkt des Geschehens und nimmt in der Regel einen Großteil des Bildes und der Szenen ein, so dass dem Rezipienten kaum die Möglichkeit bleibt, sich einer Konfrontation mit ihm zu entziehen.
Charakterisierend für DEXTER ist weiterhin die Verwendung eines Voice-Over, mit dessen Hilfe Dexter seine Gedanken und Erinnerungen verarbeitet. Zwar wird der Zuschauer nicht direkt angesprochen, allerdings erhält er das Gefühl, dass die Aussagen an ihn adressiert sind. Hinzu kommt, dass zum einen die Bildschirmpräsenz von Dexter während des Voice-Overs sehr dominant ist. Zum anderen treten Geräusche oder Musik in den Hintergrund, so dass der Effekt noch verstärkt wird, wodurch sich die PSI Intensität ändern kann.
Darüber hinaus beeinflusst die Motivation des Rezipienten, sich mit der Medienfigur auseinander zu setzen, den Intensitätsgrad der PSI. Entscheidend ist, dass die Persona dabei ein hohes Maß an Relevanz zugesprochen bekommt und der Zuschauer sich mit ihr beschäftigt. Darüber hinaus kann sich die Relevanz, und somit auch die PSI, durch den Kontext, in der die Medienperson auftritt, verändern. So kann es bei DEXTER beispielsweise der Fall sein, dass ein Rezipient wesentlich aufmerksamer und interessierter an Dexter ist, wenn er versucht seine sozialen Beziehungen zu regeln. Andererseits ist es möglich, dass das Publikum eine stärkere PSI ausübt, wenn Dexter seiner Mordeslust nachgeht.
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Affektive PSI-Prozesse
Affektive PSI-Prozesse sind solche, die beim Rezipienten emotionale Reaktionen auslösen, die sich entweder auf die Medienperson beziehen oder durch sie verursacht worden sind. Diese Reaktionen ähneln im Falle einer intensiven PSI denen einer personalen Interaktionen. Sie können unter anderem Sympathie, Antipathie oder Spannungsempfinden auslösen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit und Motivation erhöhen kann, dass der Rezipient eine PSI mit der Medienpersona eingehen möchte. Bei DEXTER können diese Prozesse in zahlreicher Vielfalt, besonders in Kombination mit den perzeptiv-kognitiven PSI-Prozessen, auftreten. Denn die Frage, ob man die Handlungen von Dexter als gut oder schlecht bewertet, wirkt sich auf die Sympathie oder Antipathie aus. Im Falle einer Sympathie wird der Rezipient darauf hoffen, dass Dexter nicht von der Polizei überführt wird. Empfindet der Rezipient jedoch Antipathie, so will er möglicherweise, dass Dexter gefasst wird. Die Geschichte selbst trägt ihren Teil dazu bei, indem sie Handlungsstränge erzählt, die sich auf die Personae und somit auf das Spannungsempfinden auswirken können. Dies ist beispielsweise in Staffel Zwei der Fall, wo Dexter als Bay Harbor Butcher in das Visier der Polizeiermittlungen gerät
Konative PSI-Prozesse
Unter konativen PSI-Prozessen verstehen Medienwissenschaftler „ von außen beobachtbare, auf die Pesona gerichtete Verhaltensweisen.“ Diese können zum Beispiel bei Zurufen an die Medienpersona beobachtet werden. Auch hier ist das Bewusstsein um die Medialität der Persona von großer Wichtigkeit. Denn ist sich der Zuschauer dieser bewusst, so besteht die Möglichkeit, dass er derartiges Verhalten als unpassend empfindet und sich daher stärker kontrolliert. Andererseits kann er die Freiräume einer PSI nutzen und Handlungen ausüben, die bei einer personalen Interaktion als unangebracht gelten würden, wie zum Beispiel Beleidigungen. Zu beachten ist außerdem, dass nicht jede solcher Handlungen seitens des Rezipienten als Teil des konativen PSI-Prozesses gewertet werden darf. Oft dienen konative Äußerungen
nämlich als Hilfsmittel, um „interpersonale Kommunikation über die Medienperson“ zu betreiben, was oft bei Fußballspielen oder ähnlichen Veranstaltungen beobachtet werden kann. Auch wenn der Zuschauer das Medium alleine rezipiert, kann dies der Fall sein. Wenn er beispielsweise durch Zurufe seine eigene Erregung bewältigen möchte, bezieht sich seine Äußerung nicht auf die Medienpersona, sondern viel mehr auf sich selbst.
Fazit
Perzeptiv-kognitive, affektive und konative PSI-Prozesse können in unterschiedlichster Form, sowohl gemeinsam, als auch einzeln, auftreten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass, insofern ein Teilprozess stattfindet, die Wahrscheinlichkeit für eine intensivere PSI verändert wird. Im Zusammenspiel mit der Obstruvisität, Persistenz und Darstellung der Medienpersona und der Motivation des Rezipienten werden diese Prozesse beeinflusst.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Serie DEXTER genügend Voraussetzungen bietet, um mit dem Hauptprotagonisten Dexter Morgan eine parasoziale Beziehung, ein beziehungsähnliches Verhältnis in Folge von sehr intensiven parasozialen Interaktionen, einzugehen. Entscheidend ist, dass Medienangebot und Rezipient wechselseitig von einander abhängig sind und PSI Prozesse stark von ihnen beeinflusst werden. Je größer das Interesse an der Persona ist und je mehr Zeit der Zuschauer in die Auseinandersetzung mit ihr investiert, desto stärker ist die PSI oder PSB.
Eine über diese Arbeit hinausgehende Fragestellung könnte sein, wo ein messbarer Schnitt zwischen einer PSB und einer pathologischen Interaktion gemacht werden kann und inwiefern sich die Erkenntnisse der Rezeptionsforschung auf die Vermittlung von Medienkompetenz auswirken kann. Außerdem könnte untersucht werden, inwiefern Dexter durch seine konstruierte soziale Entität nicht nur die Medienfiguren in seinem Umfeld, sondern auch den Rezipienten manipuliert.
- DEXTER, USA 2006-2010, Erstausstrahlung (USA): 01.10.2006, Deutschsprachige Erstausstrahlung: 01.08.2008, Staffel 1-4.
- DEXTER, DEXTER (DEXTER – PILOT), Staffel 1, Episode 1.
- DEXTER, IT’S ALIVE! (Verflucht), Staffel 2, Episode 1.
- DEXTER, AN INCONVENIENT LIE (DER DÜSTERE BEGLEITER). Staffel 2, Episode 3.
- DEXTER, THE GETAWAY, Staffel 4, Episode 12.
- Donald Horton/R. Richard Wohl: Mass Communication and Para-social Interaction: Observations on Intimacy at a Distance, In: Psychiatry 19 (1956): S. 215-229
- Ralf Döbele: Interview mit “Dexter” Michael C. Hall (1). In: TV Wunschliste, URL: http://www.wunschliste.de/special/interview_michaelchall (28.02.10).
- Tilo Hartmann/Holger Schramm/Christoph Klimmt: Personenorientierte Medienrezeption: Ein Zwei-Ebenen-Modell parasozialer Interaktion. In: Publizistik 49 (2004), Heft 1, S. 25-47
- Tilo Hartmann/Holger Schramm/Christoph Klimmt: Desiderata und Perspektiven der Forschung über parasoziale Interaktionen und Beziehungen zu Medienfiguren. In: Publizistik 47 (2002), Heft 4, S. 436-459.
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Autor: Christian Kresse
Publikationssdatum: 22.04.2010
Publikationsort: Privat/Universität
Anmerkung: Dieser Text entstand als Hausarbeit im Zuge des “Basismodul 1: Einführung in die Medienkulturwissenschaft – Übung: Einzelmedien und mediale Verbundsysteme – Fernsehen” im Studiengang Medienkulturwissenschaften/Medienrecht 1-Fach-Verbund (BA) im 1. Fachsemester an der Universität zu Köln – Note: 2,0 – Bei Bedarf bin ich gerne bereit Interessenten die Hausarbeit im PDF-Format inklusive Fußnoten zukommen zu lassen. Anfragen bitte über die Kommentarfunktion äußern.









![Dexter Season 2 [EU Import] - Michael C. Hall](http://www.ck-production.de/wp-content/uploads/2010/04/amazon_dexter7.jpg)
![Dexter Season 3 [EU Import] - Michael C. Hall](http://www.ck-production.de/wp-content/uploads/2010/04/amazon_dexter4.jpg)
Eine sehr interessante Arbeit! ‘Dexter’ ist eine meiner Lieblingsserien, weshalb ich diesen Text mit sehr viel Interesse gelesen habe. Es ist interessant zu sehen, welche Prozesse unterbewusst ablaufen. Es wäre schön, wenn die Fragen, die die Arbeit zum Schluss aufzählt, in einer weiteren Arbeit beantwortet würden.
Geile Arbeit! Ich liebe die Serie und ich glaube, dass ich eine parasoziale Beziehung zu Dexter führe
Durch diesen Text kann ich zumindest ein wenig verstehen, wieso RTL2 damals so viele Probleme hatte wegen der Sendezeit. Die Serie ist nämlich gar nicht mal soooo ungefährlich für Leute, die noch nicht die nötige Reife besitzen und sich nicht konstruktiv mit dem Geschehen in Dexter beschäftigen können.
Hey…echt super Arbeit. Bin grade bei der Recherche nach Zuschauerstatistiken der Serie auf deine Seite gestoßen. Ich fand es recht lustig, da ich auch gerade an einer Bachelorarbeit genau über dieses Thema schreibe!
Daher wäre es echt super von dir, wenn du mir deine Hausarbeit zukommen lassen könntest! – Würde mir sicher weiterhelfen!
Hi, ich würde die Arbeit auch gerne als PDF zugeschickt bekommen! Schreibe gerade meine Masterarbeit über ziemlich genau das Thema. Ebenso wäre es nett, wenn Du mir dann die Mailadresse von Kommentatorin Sabsi geben würde, da ich die gerne mal nach ihrer Bachelorarbeit fragen würde… Danke im Voraus aus Hannover!
Hi,
ich schreibe gerade eine Hausarbeit zum Thema “Mediensoziologie – Medien und soziale Beziehungen”.
Ich bin bei meiner Recherche zum Thema para-soziale Beziehungen auf deine Seite gestoßen
und finde deine Ausarbeitung sehr interessant. Könntest du mir das PDF zuschicken? Das wäre großartig! Vielen Dank
Grüße aus Stuttgart!
Hi,
es wäre super, wenn du mir die Hausarbeit als PDF-Format schicken könntest.
Beste Grüße!