Jugend- und Nachwuchsförderung im eSport
Ohne die Jugend ist eine funktionierende Zukunft im heutigen Alltagsleben nicht mehr gegeben. Nicht ohne Grund investieren große Firmen immer wieder in Weiterbildungsprojekte, wenden Schulen neue Lehrtechniken an oder geben Fußballvereine Millionenbeträge für den Nachwuchs aus. All dies fällt unter den Begriff der Jugendförderung.
Auch der eSport scheint so langsam eine Priese von dieser “Entwicklungsförderung” zu bekommen. Der deutsche eSport Bund (ESB) versucht beispielsweise nun mit der Hilfe von Internetcafes so genannte Trainingscamps anzubieten. Unter Mitwirkung von professionellen Spielern soll Nachwuchsspielern die Chance gegeben werden, sich weiter zu entwickeln indem sie richtig trainieren.
Bleibt die Frage: Lohnt sich eine Jugend- und Nachwuschförderung im eSport?
Erfolgreiche Jugendförderung
Wenn man sich mit der Jugendförderung beschäftigt, bleibt es nicht aus sich Beispiele anzugucken, die in der Vergangenheit erfolgreich waren. Nahe liegen dort natürlich die physischen Sportarten wie Fußball oder Basketball. Dort hat man es geschafft, mit gezielter und überlegter Jugendarbeit, neue Talente zu entdecken und auszubilden. Das aktuellste Beispiel: Die Weltmeisterschaft 2006 – Das deutsche Team hat als jüngste deutsche Mannschaft an einer WM teilgenommen und hat einen hervorragenden dritten Platz belegt und – Nicht zuletzt ein Verdienst der Jugendarbeit.
eSport ist noch nicht “reif” genug
Ein Vergleich mit solchen Sportarten ist jedoch immer sehr gewagt. Denn nicht nur der Fakt, dass eSport bisher keine anerkannte Sportart – nicht nur in Deutschland – ist, sondern auch, dass sich die Community und die Spieler eher in der Nähe eines semi-professionellen Bereichs aufhalten, sind ungemein unvorteilhaft für eine funktionierende Jugendförderung.
Professionalität ist nicht gegeben
Denn die Nachwuchsförderung lebt nun einmal unter anderem davon, sich später sowohl leistungsbezogen als auch wirtschaftlich zu rentieren. Denn der Weg von der Jugend – also semi-professionelles Auftreten – soll am Ende in der Professionalität enden. Und dieser Weg ist im Bereich des eSports – im Gegensatz zu Sportarten wie Fußball – bisher nicht einmal fertiggestellt. Es wurde lediglich begonnen ihn zu streuen …
Der Reiz fehlt
Weiterhin ist anzumerken, dass man sich im eSport immer noch auf einer Art Hobby-Ebene befindet. Kaum einem Spieler ist es möglich sich einzig und allein von seinem Verdienst als eSportler ein Existenzminimum aufzubauen oder gar davon profitabel zu leben. Dementsprechend ist der Reiz der Jugendlichen, sich fördern zu lassen und somit auch viel Zeit in die Förderung zu investieren, nicht beziehungsweise weniger gegeben. Hinzu kommt, dass sich das durchschnittliche Alter bei eSportler zwischen 15 und 20 Jahren einpendelt. Eine Zeit, die für die Zukunft jedes Einzelnen immens wichtig ist. Schule und Ausbildung sollten hier Vorrang haben, da wie bereits oben genannt, eine positive Zukunft nur dann gegeben ist, wenn man sich genug bildet. Und Bildung steht im eSport nicht unbedingt an vorderster Stelle.
Keinen Grund zu fördern
Neben diesem Fakt gibt es noch weitere Gründe, warum es für eine funktionierende Jugendförderung sehr schwer sein wird im Bereich des eSports Fuß zu fassen. Zum einen ist da die Kurzlebigkeit des eSports. “Clanhopping” und “der Gang in die Inaktivität” sind zwei Dinge, die im eSport sehr oft gegeben sind. Aus diesem Grund lohnt es sich nicht für Clans oder Firmen in Jugendarbeit zu investieren, da sie sich nicht sicher sein können, ob sich die Spieler noch in den “eigenen Reihen” befinden werden. Zum anderen spielt die Alterbeschränkung eine extrem große Rolle. Die Altersbeschränkung der einzelnen Spiele stellt jedoch weniger ein Problem dar. Viel eher wird es kompliziert, wenn die Spieler an nationalen oder internationalen Events teilnehmen sollen. Dort sind nämlich meistens die Altersbeschränkungen von 16 oder 18 Jahren der Fall. Somit würde es sich also ebenso wenig lohnen einen zwölf oder dreizehn Jährigen Spieler zu fördern, da dieser erst in drei bis vier Jahren rentabel für den Clan oder die Firma sein kann. Und durch die Kurzlebigkeit, welche schon angesprochen wurde, würde dieser Fakt noch einmal bekräftigt werden. Dem zu Folge lohnt es sich nicht jemanden zu fördern, wenn nicht die Garantie gegeben ist, dass er beispielsweise nach drei oder vier Jahren, noch aktiv, leistungsmäßig auf dem aktuellen Stand oder gar Mitglied ist.
Wirtschaftlich nicht profitabel
Folglich ist die fehlende Wirtschaftlichkeit von eSport ein störender Faktor. Zwar erlebt die Spielindustrie einen Boom mit dem niemand gerechnet hatte, jedoch ist zur Zeit, auch bei einer funktionierenden Jugendförderung, das Risiko einfach zu groß, dass sich Spieler und Clans vom eSport abwenden und einem “normalen” Beruf nachgehen.
Keine Kontrolle
Ein weiteres Problem, welches sich anbahnt, ist, dass es im eSport wesentlich schwerer ist, jemanden zu kontrollieren. Beim Fußball beispielsweise werden extra Internate für Nachwuchsfußballer errichtet. Im eSport ist dies, vor allem auf Grund der vorangegangenen Problemdarstellungen, leider so nicht möglich, weshalb eine wirkliche Kontrollinstanz fehlt und somit auch wieder ein Stück Professionalität.
Abwarten und Tee trinken
Insgesamt lässt sich also folgendes zusammenfassen:
Der Startschuss zur Professionalisierung des eSport wurde bereits abgefeuert. Dennoch befindet man sich zur Zeit in einem Stadium, in dem es nicht denkbar ist, eine funktionierende Jugendförderung zu tätigen. Dafür muss sich eSport in der heutigen Gesellschaft noch weitaus mehr etablieren und ein wesentlich besseres und sichereres wirtschaftliches Potential entwickeln.
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Autor: Christian Kresse
Publikationssdatum: 08.11.2006
Publikationsort: Privat (Blog)
